Aktionsforschung

Definition: 

Bei der Aktionsforschung handelt es sich um eine bestimmte Ausrichtung der sozi­alwissenschaftlicher Forschung. Sie wird allerdings weniger als eine Methode defi­niert, sondern mehr als ein Forschungstypus, der sich nach einem bestimmten Muster einem breiten Spektrum möglicher Methoden bedient. Erstmals aufgetreten ist die Aktionsforschung unter dem Name action research durch eine sozialpraktische For­schung von dem Sozialpsychologen Kurt Lewin. Pieper definiert die Aktionsfor­schung als eine problemorientierte und problemlösende Forschungsstrategie. Dies beinhaltet zunächst dass die entscheidende Grundlage für die Arbeit mit der Aktions­forschung ein Problem ist. Wobei es sich hierbei inhaltlich um soziale Probleme han­delt, die in realen Situation und nicht etwa durch experimentellen Studien zustande kommen. In anderen Worten bildet die Basis für die Anwendung dieses Forschungs­typus Probleme, welche den Wunsch nach Veränderungen beziehungsweise Verbes­serungen in alltagspraktischen Verhältnissen auslösen.

Als wesentliche Abgrenzung zu traditionellen Forschungsmethoden wird in der Ak­tionsforschung eine enge Kooperation zwischen Forscher und Untersuchten bei der Entwicklung und Ausarbeitung des Forschungsansatzes, der Durchführung der Un­tersuchung und der Auswertung der Ergebnisse vorausgesetzt. In der Aktionsforschung wirken die Betroffenen also nicht im Hintergrund zu For­schungszwecken, sondern sie werden zur aktiven Mitbeteiligung am Forschungspro­zess herangezogen. Untersuchter und Forscher werden als gleichberechtigte Partner während der Forschung angesehen. Diese besondere Art der Beziehung wird im For­schungsbereich als Subjekt-Subjekt-Beziehung bezeichnet. Die Aufnahme dieser subjektiven Dimension in die Forschung bietet die Möglichkeit Interpretationen der Handlungspersonen innerhalb des Prozesses der sozialen Realität auszunutzen. Auf diese Weise sollen Handlungsmöglichkeiten verändert beziehungsweise erweitert werden. Ein solches Subjekt-Subjekt-Modell erfüllt spezifische Voraussetzungen:

  • Da der Forscher keinen außenstehenden objektiven Beobachter darstellt, son­dern parteilich in den Forschungsprozess eingreift, wird von einer hohen Par­tizipation des Forschers innerhalb des Feldes gesprochen. Dieser Einfluss auf das Feld vom Aktionsforscher erstreckt sich von einer einfachen teilnehmenden Beobachtung bis zum aktiven Eingreifen in das Handeln unter den Beteiligten.
  • In der Aktionsforschung entsteht ein ständiger Austausch zwischen Forscher und Untersuchten. Dies zieht einen Lernprozess nach sich, in dem die Kom­munikation eine entscheidende Rolle spielt. Alle Beteiligten setzen ihre spezifischen Kenntnisse und Fähigkeiten ein, um voneinander und miteinander zu lernen.
  • Durch den engen Praxisbezug, in dem Forscher und Untersuchter gemeinsam gesellschaftliche und soziale Probleme lösen entsteht eine Interaktion.
  • Zudem wird innerhalb der Aktionsforschung im Gegensatz zu traditionellen Forschungsmethoden mit einer monologisch Struktur (mit Hilfe bestimmter Instrumenten bestimmte Aspekte messen und daraus die gewünschten Schlüsse ziehen) nach einer dialogischen Struktur gearbeitet. Dies bewirkt eine wiederholte, kritische Überprüfung und gegebenenfalls Revision der Vorgehensweise.

Zu weiteren wesentlichen Abgrenzungsmerkmalen zu klassischen Forschungsme­thoden zählt das Verschwimmen der Grenzen zwischen dem Alltag und der For­schung. Sprich während der Aktionsforschung nehmen die Untersuchten weiterhin normal am (Arbeits-) Alltag teil, allerdings mit dem eher transparenten Aspekt, dass zusätzlich eine Untersuchung stattfindet.

Zusätzlich zu den bereits genannten, typischen Aspekten der Aktionsforschung ist auffällig, dass keine klaren methodologischen Standards innerhalb der Aktionsfor­schung zur Verfügung stehen. Es wird mit eher wenig strukturierten Instrumenten gearbeitet. Hierunter fallen beispielsweise Gruppendiskussion, Plan-/Rollenspiele oder Erfahrungsberichte. In der Aktionsforschung verlässt man sich auf die soziale Vernunft des Forschers als Mittel der Qualitätssicherung und nicht wie bei anderen Forschungsmethoden auf die instrumentelle Vernunft.

Aus diesem Grund ist es in der Aktionsforschung von besonderer Bedeutung, dass der Forscher eine hohe Sensibilität in Bezug auf die Trennung und Ausbalancierung wissenschaftlicher und praktischer Zielsetzung aufweist.

Vorteile: 

Durch die methodische Unabhängigkeit in Bezug auf das anwendbare Instrumenta­rium kann das Vorgehen vom Forschungsteam sehr flexibel gestaltet werden. In der Aktionsforschung sind die Beteiligten nicht an stark methodische Anleitungen ge­bunden, was das Arbeiten oder Forschen in bestimmten Situationen erleichtern kann. Mit diesem Aspekt eröffnet die Aktionsforschung neue Forschungsspielräume.

Durch den engen Bezug zwischen Forscher und Feld wird außerdem ein direkter Einblick in das Feld ermöglicht. Die Beteiligten verlassen sich hier also nicht einfach nur auf Annahmen oder herangezogene Daten, sondern alle am Forschungsprozess beteiligten Personen befinden sich direkt vor Ort am unmittelbaren Geschehen.

Die Aktionsforschung zeichnet sich durch eine große Anwendungsorientierung aus, da nicht nur innovative Konzepte und Verfahren entwickelt, sondern diese auch für die praktische Anwendung eingesetzt werden sollen. Ferner wird bei der Aktions­forschung bereits eine Anwendungsnähe vorausgesetzt, da es zum Ziel hat, an kon­krete Probleme aus der Praxis anzusetzen. Daraus erschließt sich wiederum der be­reits angesprochene förderliche Lernprozess sowie der frühe Einbezug aller Beteilig­ten über alle Phasen hinweg.

Ein weiterer großer Vorteil ist der ständig stattfindende Erfahrungs- und Wissensaus­tausch zwischen den Forschungsbeteiligten. Auf diese Weise kann der Lernprozess angestoßen werden.

Nachteile: 

Neben den genannten Vorteilen wird die Aktionsforschung allerdings auch aus kri­tischen Gesichtspunkten betrachtet. So besteht bei dieser Forschungsstrategie bei­spielweise eine große Gefahr für ein verfälschtes Bild des Feldes und des (Arbeits-) Verhaltens der untersuchten Personen. Dadurch dass die Aktionsforscher direkt in das Feld mit eingebunden werden und so im Alltag des Untersuchten mitwirken, kann das gewohnte Arbeiten oder die gewohnten Tätigkeiten beeinflusst und unna­türlich verändert werden.

Ergänzend hierzu kann innerhalb der Aktionsforschung die Messung kaum kontrol­liert werden, da Wiederholungen bei solch spezifischen Tests wenig Sinn machen würden.

Ein verfälschtes Bild kann auch über mögliche Störungen im Feld während der For­schung hervorgerufen werden. In der Aktionsforschung ist hierzu besonders wenig bis keine Kontrolle gegeben, da man sich hier auf die natürlich stattfindende Situa­tion verlässt.

Durch eine mögliche zu tiefe Verstrickung in den alltagspraktischen Verhältnissen wird dem Forscher nicht genügend Distanz und Zeit für eine theoretisch motivierte und kritische Arbeit bezüglich des untersuchten Gegenstands geboten.

Ein kritisch anzusehender Punkt ist auch, dass bei der Aktionsforschung nur kontext­abhängige Ergebnisse betrachtet werden können, die sich nicht für eine Verallgemei­nerung anbieten.

Aufgrund der methodischen Flexibilität innerhalb der Aktionsforschung besteht die Gefahr zum Methodenanarchismus, auch „Anything goes“ genannt. Dies beinhaltet eine kreative Unordnung, die schnell in ein Chaos ausarten kann.

Einsatzbereiche: 

Die wesentlichen Einsatzbereiche in denen die Aktionsforschung häufig angewendet wird sind zum einen die Wirtschaftsinformatik und zum anderen die Sozialfor­schung.

Wesentlicher Bestandteil der Wirtschaftsinformatik sind Informations- und Kommu­nikationssysteme (im Folgenden IKS), welche jedoch nicht als rein technisch son­dern mehr als sozio-technisch beschrieben werden. Das bedeutet sie beziehen sich sowohl auf Menschen als auch auf technische Komponenten wenn es um die Lösung bestimmter wirtschaftlicher Aufgabenstellungen. Da solche IKS vor schließlich das Ergebnis menschlicher Gestaltung sind und deshalb sozial konstruiert werden, kann die Aktionsforschung vor allem bei der Systementwicklung oder –neueinführung helfen.

So wird bei der Arbeit innerhalb der Aktionsforschung in Bezug auf die organisato­rische Einführung von IKS auf natürliche Weise immer wieder Feedback von den Testpersonen eingeholt. Durch diese Detailvorschläge und Wünsche werden die Testpersonen zu Mitverantwortlichen betrachtet, was entscheidendes Merkmal der Aktionsforschung ist. Des Weiteren werden gemeinsam Probleme erkannt und die Forschungsgruppe wird in alle Projektphasen aktiv eingebunden.

Ein weiterer Bereich innerhalb der Wirtschaftsinformatik bildet die Aktionsfor­schung als Mittel zur Evaluation von bestimmten Artefakten in der Informationssys­tementwicklung (zum Beispiel Datenbanksysteme, Kommunikationsprotokolle).

Insgesamt werden mit dem Einsatz der Aktionsforschung in der Wirtschaftsinforma­tik sowohl Prozesse der Analyse, Planung und Entwicklung sowie der Einführung von IKS zugänglich gemacht. Aufgrund der Vielschichtigkeit, Komplexität und des sozialen Charakters solcher Prozesse werden sie durch Anwendung traditionellen Forschungsmethoden nur schwer zugänglich.

In der Sozialforschung wird die Aktionsforschung als systematische Untersuchung von beruflichen Situationen angewendet. In solchen beruflichen Situationen agierenLehrern, Dozenten oder Ähnlichem, welche die Absicht haben diese zu verbessern.

 

Verwendete Literatur

 

Moser, Heinz (1975): Aktionsforschung als kritische Theorie der Sozialwissenschaften. München: Kösel-Verlag GmbH & Co.

 

Frank, Ulrich; Klein, Stefan; Krcmar, Helmut; Teubner, Alexander (1998): Aktionsforschung in der WI – Einsatzpotentiale und – probleme. In: Schütte, Reinhard; Siedentopf, J.; Zelewski, Stephan: Wirtschaftsinformatik und Wissenschaftstheorie. Grundpositionen und Theoriekerne. Arbeitsbe­richte des Instituts für Produktion und Industrielles Informationsmanagement, Nr. 4. Essen: Universität GH Essen, S. 71-90.

 

Lexikon online (o. J.): Aktionsforschung. Online verfügbar unter: http://lexikon.stangl.eu/2723/aktionsforschung/, zuletzt geprüft am 15.05.2016.

 

Pape, Bernd; Strauss, Monique (2004): Untersuchung und Beratung einer selbstorganisierten Studiengemeinschaft. In: Pape, Bernd; Krause, Detlev; Oberquelle, Horst (Hrsg.): Wissensprojekte – Gemeinschaftliches Lernen aus didaktischer, softwaretechnischer und organisatorischer Sicht. Münster: Waxmann.

 

Wirtschaftslexikon24.com (o. J.): Aktionsforschung. Online verfügbar unter: http://www.wirtschaftslexikon24.com/d/aktionsforschung/aktionsforschung.htm, zuletzt geprüft am 14.05.2016.

 

[stangl] test & experiment: experiment vs. Aktionsforschung (o. J.): Handlungs- oder Aktionsforschung. Online verfügbar unter: http://bit.ly/1V4HLr0, zuletzt geprüft am 15.05.2016.

 

Universität Siegen (2010): Aktionsforschung. Online verfügbar unter: http://bit.ly/1OvH2Of, zuletzt geprüft am 16.05.2016.

 

Vorgehensweise: 

Als Prämisse für eine erfolgreiche Aktionsforschung werden von Frank et al. die Voraussetzungen und Qualifikationen der forschenden Person definiert. „[Die Aktionsforschung] ist deshalb mehr als alle traditionellen Forschungsmethoden auf eine qualifizierte und erfahrene Forscherpersönlichkeit angewiesen. Der Forscher muß mit hoher Sensibilität praktische und wissenschaftliche Zielsetzungen trennen und ausbalancieren können.“ Grundsätzlich kann man bei der Aktionsforschung von einem diskursiven Vorgehen sprechen. Die Basismethode ist demnach der Diskurs. Bei dem Vorgehen der Aktionsforschung gibt es wenig methodische Strenge und eine allgemeine „methodologische Unbestimmtheit“. Das heißt, dass das Ergebnis zu einem großen Teil von der Rolle abhängt, die der Forscher bei seiner Forschung spielt. Der Forschungsverlauf hängt zu einem Großteil von der individuellen Erfahrung und Disziplin des Forschers ab. Dazu gibt es unterschiedliche Rollen ( beobachtend, teilnehmend, etc.). Kurt Lewin, der als erster den Begriff Aktionsforschung einbrachte, betrachtet die Aktionsforschung als ein Dreieck aus Aktion, Forschung und Training. Der Verlauf der Forschung hängt somit zu einem wesentlichen Teil von der „Zusammenarbeit zwischen Forscher und Beforschtem“ ab, „der Fokus [liegt] auf sozialer Gestaltungspraxis und dem Prozeß reflektiven Lernens“.

Von Comelli wurde im Jahr 1985 das ideale Vorgehen in der Aktionsforschung formalisiert. Begonnen wird dabei mit einem ersten Kontakt und Vorgesprächen. Dabei wird erst einmal ermittelt, ob eine Zusammenarbeit überhaupt möglich ist. In einem zweiten Schritt folgt die Vereinbarung. Dabei einigen sich die Teilnehmenden auf geeignete Methoden und deren Verwendung. Diese Methoden werden dann zur Datensammlung und zum Datenfeedback eingesetzt. Die Datensammlung ist eine Erhebung des Ist-Zustands, während das Datenfeedback eine Rückspiegelung der Datensammlung auf die Klienten ist und aus einer Diskussion unter Einbeziehung der Klienten besteht. Das Vorgehen der Aktionsforschung ist iterativ, das heißt, es kommt zu einem ständigen Wechsel zwischen Datensammlung und Rücksprache/Diskussion. Nach einer Feedbackrunde wird eine Diagnose gestellt. Die Teilnehmenden stellen den aktuellen Stand mit folgenden Kriterien fest: Probleme, Defizite und Stärken. Daraufhin werden Maßnahmenpläne erstellt und diese Veränderungsstrategie wird dann umgesetzt. Bei Lewin befinden wir uns hier in der Aktionsecke des Dreiecks. Schließlich steht am Ende eines jeden Zyklus die Kontrolle des Erfolgs und die Bewertung der durchgeführten Maßnahmen.

 

Abbildung 1: Ablaufphasen eines Aktionsforschungsprozesses nach Comelli (1985)

 

Auch Susman und Evered (1978) sehen das Vorgehen in der Aktionsforschung als zyklisch an und sprechen von dem Aktionsforschungskreis (Action Research – AR cycle).

Abbildung 2: AR Zyklus nach Susman und Evered (1978)

 

Dieser Kreis besteht aus fünf Phasen, beginnend mit der Diagnose, dann der Aktionsplanung, der Durchführung der Aktion, der Evaluierung und der Spezifizierung des Erlernten. Nach dieser Grafik sind die „Klienten“ an allen Phasen außer der letzten beteiligt. In neueren Ansätzen kann sich der Forscher aber auch aus weiteren Phasen zurückziehen. Ob die Spezifizierung des Erlernten eher deskriptiver oder präskriptiver Natur ist, hängt vom Umfang des Forschungsprojekts und der Involvierung des Forschers ab. Handelt es sich um ein kleines Forschungsprojekt, in dem der Forscher stark in den Aktions- und Planungsprozess involviert ist, dann ist das Ergebnis deskriptiver Natur.

 

Eine weitere Definition der Vorgehensphasen in der Aktionsforschung wird von Mayer (2010) vorgenommen. Mayer unterteilt dabei in eine Explorations- , eine Interventions- und eine Evaluationsphase. Die Explorationsphase zielt hier darauf ab, „Daten zu sammeln, das Forschungsfeld näher zu erkunden und somit die endgültigen Problemstellungen spezifizieren zu können.“ Mayer stellt dabei den Wechsel zwischen Aktion und Reflexion in den Vordergrund. Durch die Aktion schreitet demnach der Forschungsprozess voran, während durch die Reflexion Erkenntnisse gewonnen werden. Zu Beginn der Explorationsphase steht eine Fragestellung, die unter einem bestimmten Fokus betrachtet wird. Danach beginnen die Forschenden mit der Datenerhebung. Allgemeine Datenerhebungstechniken sind etwa „Gruppendiskussionen, Planspiele, Soziometrie, Inhaltsanalyse von Erfahrungs- berichten/Protokollen, nicht- bzw. semistrukturierte Befragungen“ und weitere. Zur Datenerhebung werden somit quantitative als auch qualitative Methoden herangezogen. Auf die Ergebnisse der Datenerhebung folgt das erste Feedback, dessen Reflexion zu einer Neubestimmung des Fokus führen kann. Im letzten Schritt der Explorationsphase erfolgt eine Messung des Erreichten durch eine „Baseline“, eine erste Bestandsaufnahme. Zu beachten ist, dass bereits die Explorationsphase iterativ ist, da von einer Reflexion des Fokus wieder zu einer Neubestimmung des Fokus zurückgesprungen werden kann und daraufhin nochmal neue Daten gesammelt werden müssen.

 

Abbildung 3: Explorationsphase nach Mayer (2011)

 

Auf die Explorationsphase folgt die Interventionsphase, die zirkulär ist und Phasen der „Planung, Aktion, Beobachtung, Reflexion und Neuplanung“ umfasst. Nach einer Planung kommt es zu einer Aktion, deren Ergebnisse dann beobachtet werden. Die Reflexion der Beobachtung führt zu einer Neuplanung und einer neuen Aktion etc. Dies erfolgt solange, bis ein zufrieden stellendes Ergebnis erreicht wurde. Der Forschungsprozess der Aktionsforschung ist somit prinzipiell unendlich, da die Zufriedenstellung immer relativ zu sehen ist.

 

Abbildung 4: Interventionsphase nach Mayer (2011)

 

In der Evaluationsphase wird schließlich ermittelt was sich verändert hat und wie dies erfolgt ist. In dieser Phase ist es essentiell, die Ergebnisse mit den anderen Forschenden zu teilen und eine kritische Hinterfragung zu ermöglichen und durchzuführen. Die Auswertung der Daten und die Entscheidung über die Form der Veröffentlichung sollten ebenso partizipativ sein, wie der übrige Forschungsprozess, das heißt, dass alle Forschenden wie auch die teilnehmenden Personen daran beteiligt sind.

 

 

Literaturnachweis

 

[1]  Frank Ulrich, Klein Stefan, Krcmar Helmut, Teubner Alexander. „Aktionsforschung in der WI – Einsatzpotentiale und –probleme. Wirtschaftsinformatik und Wissenschaftstheorie.

Grundpositionen und Theoriekerne. Arbeitsberichte des Instituts für Produktion und Industrielles Informationsmanagement. Nr. 4. Hrsg.: Schütte, R.; Siedentopf, J.; Zelewski, S., Essen 1998, S. 71-90

 

[2]  Kock Jr, Nereu F., Robert J. McQueen, und L. Scott John. „Can action research be made more rigorous in a positivist sense? The contribution of an iterative approach“. Journal of Systems and Information Technology 1, Nr. 1 (1997): 1–23.

 

[3]  Lewin, Kurt. „Aktionsforschung und Minderheitenprobleme“. Kurt-Lewin-Gesamtausgabe Bd 7 (2009). http://gth.krammerbuch.at/sites/default/files/articles/Create%20Article/25_KL_F.pdf.

 

[4]  Von Rosenstiel, Höckel, Molt - Angewandte Psychologie - 1. Erg. Lfg. 12/94

 

[5]  Zojer, Eva, Eva Faul, und Hanna Mayer. „Aktionsforschung — ‚Be part of it‘: Gemeinsam die Praxis durch Forschung verändern“. ProCare 18, Nr. 9 (November 2013): 12–16. doi:10.1007/s00735-013-0185-0.

Software: 

Bei der Verwendung der Forschungsmethode „Aktionsforschung“ können verschiedene Softwaretools zum Einsatz kommen. Damit genauer verstanden wird, in genau welchen Bereichen dieser Methode Softwaremodule zum Einsatz kommen und diesen vereinfachen, wird ein kurzer und zusammenfassender Blick auf das Vorgehen des Actions Research geworfen:

  1. Zu Anfang (Ziel-)Frage definieren
    • „Wie kann Lehrveranstaltung verbessert werden?“
    • „Wie erlangen Studenten größeren Lernerfolg?“
  2. Forschungsplan formulieren
    • Was? (Ziel formulieren)
    • Wieso? (Begründung / Nutzen des Ziels)
    • Wie Daten sammeln? (Wie überprüfen, ob Ziel erreicht)
    • Wie Daten analysieren? (Überprüfung, ob Ziel erreicht)
    • Wann Aktionen / Erhebungen durchführen?
    • Wer hilft mir?
  3. Daten sammeln und auswerten
    • Data Collection Tools
    • Data Analysis Tools
    • Dokumente, Artefakte, Lerntagebücher, Beobachtungs-notizen, Interviewergebnisse, Fragebogenergebnisse, Audio- und Videodateien, …
  4. Aktionsplan entwickeln und umsetzen
  5. Dokumentieren und Teilen
    • „Was wurde gemacht?“
    • „Was ist das Ergebnis?“
    • Research Communities

(Quelle: Vorgehen nach Christian Spannagel Folien 6-9 http://de.slideshare.net/cspannagel/aktionsforschung)

Die fettmarkierten Schritte beim Vorgehen sind relevant, wenn sich mit vorhandener und behilflicher Software für die Aktionsforschung beschäftigt wird. Wichtig hierbei ist, dass Daten gesammelt und hinterher analysiert werden, damit sie sinnvoll ausgewertet werden können. Damit erschließt sich, dass zum einen Werkzeuge für die Datenerhebung gebraucht werden und diese Daten gesammelt werden (Data Collection Tools). Zum anderen werden Software Analysis Tools benötigt, um die gewonnen Daten auswerten zu können und ein Ergebnis der angewandten Forschungsmethode feststellen zu können.

Für die Datenerhebung gibt es verschiedene Tools die genutzt werden können, um an geeignete Informationen zu gelangen. Solche Werkzeuge können bspw. Checklisten, Fragebögen, Interviews, Beobachtungen oder auch Fallstudien sein. All diese gewonnenen Daten können u.a. manuell in Microsoft Excel gesammelt werden und anschließend ausgewertet werden (z.B. mithilfe von Diagrammen). Voraussetzung für die Arbeit mit Excel ist ein gewisses Anwendungswissen. Dieses kann sich im Internet in Communitys und Help-Foren angeeignet werden. Weiterhin gibt es zahlreiche (kostenlose) Tools, die bei der Datenerhebung automatisiert helfen können. So bietet dies Internetseite SurveyMonkey Online die Möglichkeit Umfragen zu erstellen. Dem Nutzer steht eine vielfache Auswahl an Fragetypen zur Verfügung. Bei dem Kauf eines Professional Tarifs, lassen sich die Daten in einer Excel Datei speichern. Aber auch mithilfe des kostenlosen Kontos lassen sich die Ergebnisse der Umfrage abrufen.  (Quellen: https://alaworkshopdata.wordpress.com/data-analysis-tools/ und https://alaworkshopdata.wordpress.com/data-collection-tools/

Software-Datenerhebungs-tools:

  • SurveyMonkey
  • Doodle
  • Survio
  • Pingo

Für die Datenerhebung gibt es Massen an Tools die verwendet werden können. Dazu zählt jegliche Software die Informationen festhalten kann. Somit können auch Microsoft Word oder andere Textverarbeitungsprogramme (LaTex, OpenOffice, LibreOffice,…) verwendet werden. Wichtig hierbei ist, dass die Dokumentation strukturiert verfasst und abgelegt wird. Das Festhalten von Informationen in Textverarbeitungsprogrammen ist vor allem bei Datenerhebungs-Werkzeugen, wie dem Interview oder auch der Beobachtung sinnvoll.

Damit ein genauerer Blick über die Datensammlung und die Datenanalyse gewonnen wird, wird im Folgenden ein Beispiel mithilfe der Online-Befragungs-Plattform SurveyMonkey vorgenommen. Ziel bei diesem Beispiel soll es sein, eine Lehrveranstaltungen die einen Umfang von 20 Stunden hat zu optimieren, sodass die Studenten/Schüler/… bessere Ergebnisse in den Prüfungen erzielen. Dabei handelt es sich um ein stark vereinfachtes Beispiel, welches nur zur Demonstration dient, sodass die Ergebnisse nicht auf die Realität reflektiert werden sollten.

 

Abbildung 1: Fragebogen

 

Bei dem Online-Tool können verschiedene Arten von Fragen genutzt werden. In diesem Beispiel findet das Multiple-Choice-Prinzip Anwendung, welches nur eine Antwort erlaubt. Die in der Abbildung stehenden Fragen sollen auf eine spätere verbesserte Lehrveranstaltung abzielen. Jeder Student füllt den Fragebogen aus und sendet ihn ab. SurveyMonkey erledigt die Datenauswertung im Hintergrund selbstständig. In den folgenden drei Abbildungen sind die Ergebnisse für alle drei Fragen ausgewertet. Insgesamt haben 12 (virtuelle) Personen an der Umfrage teilgenommen.

 

Abbildung 2: Auswertung Anwesenheit

 

Abbildung 3: Auswertung Interesse

 

Abbildung 4: Auswertung Note

 

Aus den drei ausgewerteten Fragen, lässt sich feststellen, dass viele Studenten unterhalb des Dreierschnitts liegen. Da dieser Schnitt verbessert werden soll, werden sich Auffälligkeiten aus den Ergebnissen angesehen. Dabei stellen wir fest, dass knapp 66% der Studenten nicht regelmäßig die Veranstaltung besuchen. Diese Verhalten lässt sich mit der Abbildung 3 erklären: die meisten Studenten interessieren sich nicht für das Thema der Lehrveranstaltung bzw. finden es langweilig. Daher treffen wir eine Aussage darüber, dass die schlechten Resultate der Studenten in den Prüfungen aufgrund der „langweiligen“ Thematik zustande kommen. Dies bedeutet nun für den Verantwortlichen der Lehrveranstaltung zu handeln: die Vorlesung interessanter gestalten. Ist dies geschehen, beginnt der Prozess der Datenerhebung von vorne (siehe Abbildung 5). Anschließend kann eine subjektive Bewertung vorgenommen werden, inwiefern diei nteressantere Gestaltung eine Auswirkung auf die Prüfungsergebnisse hat.

Abbildung 5: Kreislauf Aktionsforschung

 

Weitere Tools zur Datenanalyse sind beispielsweise

  • Many Eyes (IBM Analytics)
  • Tableau Public
  • Excel
  • SurveyMonkey
  • Survio
  • LIWC
  • Tag Crowd
  • Text.stat

Die Tools unterschieden sich in ihren Funktionen kaum. Alle bieten einen ähnlichen Funktionsumfang. Damit dies verdeutlicht wird, zeigt die folgende Abbildung einige allgemeine Kriterien, die für die Daten- bzw. Textanalyse sinnvoll sind.

Abbildung 6: Zusammenfassung Datenanalysetools

 

Zuletzt sei gesagt, dass es eine vollkommen abgestimmte Software auf die Action Research Methode nicht gibt. Mithilfe von verschiedensten Data Collection Tools und verschiedenster Analysesoftware lassen sich allerdings Resultate visualisieren.

Anwendungsbeispiele: 

Beispiel 1: Projekt Cuparla

Das Projekt Cuparla (Computerunterstützung der Parlamentsarbeit) zeigt beispielhaft die Verwendung von Aktionsforschung bei der Einführung von Informations- und Kommuni-kationstechnologien. Die Universität Hohenheim hat dieses Projekt in den Städten Stutt-gart und Kornwestheim von 1995 - 1998 koordiniert. Das Ziel des Projektes war es, die Zusammenarbeit der Gemeinderäte untereinander und mit der Verwaltung in den drei Telekooperationsszenarien zu unterstützen:

  1. Computerunterstützte Sitzungen zur gleichen Zeit am gleichen Ort
  2. Telekooperation zur gleichen Zeit an verschiedenen Orten und
  3. Telekooperation zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten

Die Gemeinschaftsarbeit sollte durch die Unterstützung effizienter und flexibler werden. Des Weiteren sollte der Informationszugang der Gemeinderäte verbessert und gleichzeitig die Kommunikation und Kooperation innerhalb des Parlaments und zwischen Parlament und Verwaltung abgebaut werden.

  1. Frage definieren:
    In Kooperation mit Gemeinderäten wurde festgestellt, dass die Zusammenarbeit zwischen den Räten wie auch zwischen Gemeinderäte und Verwaltung ineffizient war. Hier wurde die Problematik zwischen Forschern und Feldmitgliedern gemeinsam erarbeitet. 
  2. Forschungsplan definieren:
    Eine Einführung eines Telekooperationssystems sollte die Kommunikation und Kooperation im Gemeinderat optimieren. Das Forschungsteam übernahm die Rolle des Promoters für die Änderung der Kommunikations- und Kooperationsstrukturen. Zusätzlich sollte die die Zusammenarbeit im Gemeinderat und der mögliche Technologieeinsatz erforscht werden, weil in diesem Punkt eine große Wissenslücke bestand. Des Weiteren sollen die Feldmitglieder, hier der Gemeinschaftsrat, aktiv in alle Projektphasen eingebunden werden.
  3. Daten sammeln und auswerten:
    In dieser Projektphase wurden mehrere Gruppen von Gemeinderäten befragt und beobachtet. Die Ergebnisse der ersten Gruppe wurden der nächsten Gruppe zur Kenntnisnahme, Erweiterung und Verbesserung vorgelegt.
  4. Aktionsplan entwickeln und auswerten
    In der Softwareentwicklung ist Rapid Prototyping  zum Einsatz gekommen. Je-doch gab es hier eine Besonderheit in Vergleich den meisten Prototyping-Projekten. Die zukünftigen Nutzer die Gemeinderäte wurden in der Softwareent-wicklung mit einbezogen. Somit wurde die Software evaluiert und die Nutzer wurden gleichzeitig geschult. Parallel wurde die Softwarebewertung der Nutzer erfasst und ausgewertet. Notwendigen Änderungen wurden im nächsten Prototyp umgesetzt.
  5. Dokumentieren und Teilen
    Die Ergebnisse des Projektes wurden in der Arbeit „Aktionsforschung in der WI – Einsatzpotentiale und -probleme“ veröffentlicht.

Warum Aktionsforschung im Projekt Cuparla:
Zu dem Zeitpunkt konnte eine Hypothesenbildung und somit eine quantitative Vorgehensweise ausgeschlossen werden, weil der Wissenstand über die Zusammenarbeit von Gemeinderäten und die Auswirkung eines Computereinsatzes niedrig war. Wichtig war die Einbindung der Feldmitglieder, die für das nötige Vertrauensverhältnis zwischen Forscher und Teilnehmer sorgte. Die Nachteile der Aktionsforschung

  • Keine Generalisierbarkeit der Ergebnisse
  • Geringe Kontrolle der Variablen
  • Persönlichen Einflussnahmen der Forscher

traten auch in diesem Projekt auf. Diese wurden entschärft in dem die Ergebnisse zusätzlich extern durch zwei Forschungsobjekte Stuttgart und Kornwestheim validiert wurden. Weiterer großer Vorteil der Aktionsforschung ist der konsequenter zyklischer Durchlauf der einzelnen Phasen.

Beispiel 2: Modellierungssprachen

Zu einem Softwareentwicklungsprozesse gehört eine in der Anwendungsdomäne verständliche konzeptionelle Darstellung. Mit dieser Darstellung können z.B. Geschäftsprozesse, Ist-Analysen, Anforderungen, Entwurfs- und Architekturbeschreibungen erstellt werden. Problematisch bei der Entwicklung einer Modellierungsspreche sind die vielen unterschiedlichen Sichtweisen. Da die Anwender die Modellierungssprache nutzen sollen, ist die Anwesenheit dieser und deren Beurteilung in dem Evaluationsprozess zwingend notwendig. Auf der anderen Seite müssen die Anwenderbeurteilungen von den Wissenschaftlern gesammelt und ausgewertet werden. In den wiederholenden Zyklen wird die Modellierungssprache weiterentwickelt.

  1. Frage definieren:
    Es wurde festgestellt, dass mit den bestehenden Modellierungssprachen eine Problemstellung nicht modelliert werden kann.
     
  2. Forschungsplan definieren:
    Mit der neuen Modellierungssprache sollte die Problemstellung modelliert werden könne. Unternehmen sollten anschließend ihre Geschäftsprozesse optimaler und genauer abbilden können.
  3. Daten sammeln und auswerten:
    Es wurden die ersten Richtlinien formuliert. Mit in den Richtlinien enthalten waren die Abgrenzung der Domäne, Anforderungen der Modelle und festlegen einer Modellierungsprache. 
  4. Aktionsplan entwickeln und auswerten:
    Bei der Entwicklung der Modellierungssprache war es wichtig, dass alle Beteiligten diese lernten und tiefes Verständnis der Konzepte ebenso wie deren Kritik entwickelten. Jeder Teilnehmer sollte seine Urteile für andere Beteiligte nachvollziehbar begründen. Gleichzeitig war es wichtig, dass die Beteiligten die anderen Sichtweisen nachvollzogen. Die einzelnen Urteile wurden mit der dazugehörigen Rolle und weiteren Eigenschaften wie Vorbildung, Erfahrung etc. betrachtet, weil die Anforderungen an eine Modellierungsprache mit der Perspektive des Betrachters variieren. Mit den erhobenen Daten wurde der Zyklus neu durchlaufen.
  5. Dokumentieren und Teilen:
    Die Arbeit wurde dokumentiert.

Warum Aktionsforschung bei Entwicklung einer Modellierungssprache:
Durch die Zusammenarbeit der Forscher und der Anwender wurde die Akzeptanz der Modellierungsprache bei den Anwendern gesteigert werden, weil diese ihre Lösungen in das Ergebnis eingebracht hatten. Durch die intensive Interaktion mit dem Anwender wurde das Ergebnis gleich evaluiert. Ein weiterer Grund ist, dass der Forscher durch seine eigene Erfahrung in diesem Bereich nachhaltig geprägt ist und die Gefahr einer verzerrten Wahrnehmung und Beurteilung fördert. Durch die Kompetenz der Beteiligten konnte die Komplexität des Gegenstands in seinen wesentlichen Facetten betrachtet werden.

Literaturnachweis
[1] Frank, Ulrich; Klein, Stefan; Krcmar, Helmut; Teubner, Alexander: Aktionsforschung in der WI – Einsatzpotentiale und –probleme: Wirtschaftsinformatik und Wissenschaftstheorie. Grundpositionen und Theoriekerne: Arbeitsberichte des Instituts für Produktion und Industrielles Informationsmanagement. Nr. 4, Universität Essen, 1998, S. 71-90.

Variante: 

Educational Action Research beschreibt prinzipiell eine Strategie zur Entwicklung von Lehrern zu Forschern. Mit der Forschung können sie im Anschluss die Qualität ihrer Lehre verbessern, sodass die Schüler leistungsfähiger lernen. Dementsprechend gibt es innerhalb des Educational Action Research unterschiedliche Varianten. (Grundy 1983)

 

Beim Technical Action Research wird ein sogenannter „fix it“ – Ansatz angewendet. Damit die Aktionsforscher eine Verbesserung in ihrem Tätigkeitsbereich erreichen, verwenden sie hierfür bereits existierendes Verfahren. Die Bezeichnung „technical“ kommt durch die mechanische Handlungsweise der Aktionsforscher, da sie sich zumeist an Büchern orientieren. (Grundy 1983)

 

Eine weitere Variante der Aktionsforschung ist das Practical Action Research. Im Vergleich zum Technical Action Research, wählt oder entwirft der Aktionsforscher die Veränderungen, die umgesetzt werden müssen. Dabei unterscheidet man zwei Charakteristiken. Zunächst ähnelt es der Ausübung einer Fertigkeit. Wie der Forscher das gewünschte Ziel erreicht, hängt stark von seinen eigenen Erfahrungen und Ideen ab. Des Weiteren orientierten sich seine Entscheidungen am Wohlhaben der Kunden. Das heißt sie wissen was und wie es zu tun ist. (Grundy 1983)

 

Beim Politcal Action Research handelt es sich um die Veränderung von Einschränkung aus politischer Sicht. Wenn jedoch Einschränkungen aufgezwungen werden, ist das Mitmischen in der Politik unvermeidbar. Man engagiert sich entweder alleine oder mit anderen gegen das System. Der Grund warum die Aktion politisch ist, liegt darin, dass man die Einschränkung nur durch Macht verändern kann. (Grundy 1983)

 

Das Socially Critical Action Research stellt eine spezielle Art des Political Action Researchs dar. Hier wird nicht die Verbesserung einer Sache betrachtet, sondern die Verschönerung eines Teiles seiner eigenen Welt, mit Fokus auf die Stärkung der sozialen Gerechtigkeit.

Das Arbeiten an einer Veränderung bzw. die Vermeidung von Zwängen, stellt im Allgemeinen ein Ziel in der eigenen Ansicht dar. (Grundy 1983)

 

Eine weitere Variation des Political Action Research ist das Emancipatory Action Research. Im Mittelpunkt steht hierbei, die Veränderung der gesamten sozialen Gruppe und nicht für sich selbst bzw. seiner Kollegen. Die Suffragetten (Frauenrechtlerinnen in Großbritannien) wollten damals beispielsweise nicht nur das Wahlrecht für sich selbst haben, sondern dass alle Frauen die Möglichkeit haben frei zu wählen. Aufgrund der Tatsache, dass hier eine großes „Publikum“ beteiligt ist, gehört diese Variante zur politischen Art. (Grundy 1983)

 

Beim Participatory Action Research liegt der Fokus auf die Beteiligung der Teilnehmer/innen eines Feldes oder einer Organisation am Projekt. Die Wissenschaftler haben hierbei nur eine Beratungsfunktion. (Unger 2014, S. 21)

 

Industrial Action Research  gehört zum Participatory Action Research und wird in der Regel von einem Berater angetrieben, mit starken Empfehlungen zwischen Sozialwissenschaftlern und Mitgliedern verschiedener Organisationsbereichen. (Kemmis und McTaggart 2005, S. 275)

Historie: 

Die Aktionsforschung stellt einen Prozess dar, wobei praktisches Handeln und wissenschaftliches Arbeiten als kollektives Handeln zwischen Forscher und Forschungssubjekt auffasst. (von Rosenstiel et al. 1994, S. 1)

Die genaue Herkunft des Begriffs „action research“ ist nicht klar. Oft wird dieser mit dem Namen Kurt Lewin verbunden (Tripp 2005, S. 2).

 

Abbildung 7 - Kurt Lewin

Quelle: Wikimedia

Es wird jedoch vermutet, dass die Herkunft des Begriffs mit dem von der amerikanischen Regierung Beauftragten für indianische Angelegenheiten, John Collier, stammt. Dieser wendete vor und während des zweiten Weltkrieges also von 1933 bis 1945 die Aktionsforschung als erster an. Ziel war es, die Rassenbeziehung zwischen Indianern bzw. Ureinwohnern und Weißen zu verbessern. Die Strategie der gemeinsamen Problemfeststellung-, analyse und –bearbeitung  bezeichnete er anschließend als „action research“ (Wendell und Cecil 1994).

Im Jahre 1946 veröffentlichte Kurt Lewin seinen Ansatz zur Aktionsforschung. Dabei fokussierte er sich auf sozialpsychologische Fragestellungen, in erster Linie zu Gruppenbeziehungen und Demokratisierungsprozessen. In Ländern wie USA und Großbritannien sorgte sein Ansatz für großes Interesse. Aufgrund dessen wurde dieser auch nach seinem Tod weiterentwickelt. (Unger 2014, S. 14)

Die Aktionsforschung ist erst gegen Ende der 60er Jahre im deutschsprachigen Raum angekommen. Grund dafür waren gesellschaftliche Demokratisierungsprozesse. Hierfür nutzten Studenten und Wissenschaftler das Konzept der Aktionsforschung als Handlungsanleitung zur Aufklärung (von Rosenstiel et al. 1994, S. 1). Zudem bestand dabei Interesse in Bereichen wie den Erziehungswissenschaften, der Soziologie, der Sozialen Arbeit, in der kritischen Psychologie, der Politikwissenschaft und der Frauenforschung. In den 70er-Jahren verfolgten Aktionsforscher in Deutschland emanzipatorische sowie politische Ziele, welche zumeist marxistisch gezeichnet waren und zudem die reformerischen Ziele von Kurt Lewin überstiegen (Unger 2014, S. 14-15).

Literatur

Grundy, S. J. (1982) Three Modes of Action Research. Curriculum Perspectives 2(3) 23-34.

Kemmis, S./ McTaggart, R. (2005) Participatory Action Research: Communicative Action and the Public Sphere. In Denzin, Norman K. and Lincoln, Y. S., (eds.) The SAGE Handbook of Qualitative Research. 3rd ed. London: SAGE Publications.

Tripp, D. (2005): Action research: a methodological introduction: Murdoch University.

Unger, H. (2014): Partizipative Forschung Einführung in die Forschungspraxis. Springer: Heidelberg.

von Rosenstiel et al. (1994): Handbuch der Angewandten Psychologie: 1 Erg. Lfg. 12/94.

Wendell L. F., Cecil H. B. (1994): Organisationsentwicklung, Sozialwissenschaftliche Strategien zur Organisationsveränderung. Paul Haupt Verlag Bern/Stuttgart.

Wikimedia: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/0/05/Kurt_Lewin_Photo.jpg, Abruf am 21.05.2016