Theory of the lemon Markets

Definition: 

Einleitung

Kommt es in einem Markt zu ungleichmäßiger Informationsverteilung zwischen Käufer und Verkäufer, spricht man von Informationsasymmetrie. George A. Akerlof beschreibt erstmals 1970 in seinem populären Aufsatz das „lemons Problem“, welches existiert, wenn der Kunde sich aufgrund fehlender Informationen bezüglich des angebotenen Produktes für das schlechtere entscheidet.

Das Lemons-Problem ist ein Problem der asymmetrischen Informationen, auch hidden characteristics genannt. Georg A. Akerlof war der erste, der dieses Problem auf die Untersuchung der Produktqualität übertragen hat. Denn im Gegensatz zur Prinzipal-Agent-Theorie geht es beim Lemons-Problem, vielmehr um die Güte und Qualität von Produkten, als um den Umfang und die Leistung einer Dienstleistung, wie es bei der asymmetrischen Information der Prinzipal-Agent-Theorie der Fall ist.

 

Im Folgenden werden auf die Einordnung und die einzelnen Definitionen des „lemons Problems“ und der daraus resultierenden Marktaktivitäten eingegangen.

Das Lemons-Problem existiert überall dort, wo Käufer und Verkäufer aufeinandertreffen, und einer der beiden, meistens der Verkäufer einen deutlichen Informationsvorsprung gegenüber dem Käufer hat. Dieses kann gut beobachten beispielsweise im

  • Gebrauchtwagenmarkt
  • Kreditmarkt
  • IT-Markt
  • Versicherungsmarkt

Akerlof illustrierte das Problem anhand des Gebrauchtwagenmarktes. In einem Gebrauchtwagenmarkt gibt von der Qualität aus betrachtet, gute Autos oder schlechte Autos (lemons). Da der Käufer ohne weiteres, also ohne zusätzliche Kosten, nicht unterscheiden kann, ob es sich um ein qualitativ hochwertiges oder minderwertiges (lemon)  Auto handelt, weil er nicht über die benötigte Information verfügt, entscheidet er sich für das günstigere Auto, um einen möglichen Fehlkauf zu vermeiden.

 

 

Lemons Problem

„Es ist ein Spezialproblem der asymmetrischen Information, hidden characteristics genannt. Dies besagt, dass ein Käufer vor Vertragsabschluss die Qualität des angebotenen Produktes nicht kennt oder beurteilen kann. Ohne die richtigen Informationen lassen sich dann keine optimalen Entscheidungen fällen.“

„[…]The problem of asymmetric information in investing. In most investments, the buyer takes a risk that the seller is trying to sell because he/she knows that the investment is a lemon, that is, a nearly guaranteed loss. To compensate for the lemons problem, many buyers offer prices lower than they otherwise would in a perfectly symmetrical market. [..]”

Da Akerlof das Beispiel des Gebrauchtwagenmarktes ausgewählt hat, wird das Problem auch Lemons Problem genannt. Das Wort Lemons wird in den USA als Synonym für schlechte Gebrauchtwagen genutzt, im deutschen übertragen bedeutet es Sinngemäß „Montagsauto“. Ist allerdings keine richtige Übersetzung, da in Deutschland nur schlechte Neuwagen mit Mängeln umgangssprachlich als Montagsauto definiert werden.

 

Informationsasymmetrie

Unter Informationsasymmetrie versteht man eine ungleichmäßige Informationsverteilung zwischen Käufer und Verkäufer. Im Gabler Wirtschaftslexikon wird aufgesplittert in Ex-Ante-Informationsasymmetrie und Ex-Post-Informationsasymmetrie. Dort wird es allerdings im Kontext der Prinzipal-Agent-Theorie dargestellt. Man kann es allerding auf die lemons-Theorie übertragen, indem man die Prinzipal und Agenten durch Produkte ersetzt.

(…)„Unterscheidung: a) Bei Ex-Ante-Informationsasymmetrie (Hidden Characteristics; versteckte Eigenschaft) fehlen einem Akteur Informationen über die Eigenschaften potenzieller Transaktionspartner bzw. das von diesen angebotene Gut.
b) Ex-Post-Informationsasymmetrie (nachvertragliche Informationsasymmetrie) können in Hidden Action und Hidden Information unterteilt werden:
(1) Im Fall von Hidden Action (versteckte Handlung) fehlen dem Akteur Informationen über das Verhalten seines Transaktionspartners, z.B. einem Unternehmer über das Verhalten eines Mitarbeiters.
(2) Im Fall von Hidden Information (versteckte Information) fehlen dem schlechter informierten Vertragspartner Informationen über Umweltzustände, die zur Beurteilung der Leistung des Partners notwendig sind.“

„[…]am Beispiel des Marktes für Gebrauchtwagen illustriert, wie sich unvollständige Informationen der Nachfrager auswirken: Die Nachfrager können die Anbieter von gut erhaltenen Gebrauchtwagen nicht von den Anbietern schlecht erhaltener Gebrauchtwagen unterscheiden. Umgekehrt kennt jeder Anbieter genau die Qualität seines Autos. Ein Nachfrager geht deshalb von einer durchschnittlichen Qualität der Gebrauchtwagen aus. Die Anbieter von guten Gebrauchtwagen werden zur Deckung ihrer Opportunitätskosten (Nutzeneinbuße durch Verkauf des Autos) stets einen höheren Preis verlangen müssen als die Anbieter schlecht erhaltener Wagen. Da die Anbieter von schlecht erhaltenen Gebrauchtwagen jedoch wissen, dass die Nachfrager gute und schlechte Anbieter nicht unterscheiden können, besteht für sie ein Anreiz vorzugeben, ebenfalls Autos von hoher Qualität zu verkaufen und denselben Preis wie die Anbieter guter Autos zu fordern. Da dieser Preis jedoch u.U. über dem Preis liegen wird, den die Nachfrager für die von ihnen erwartete Durchschnittsqualität zu zahlen bereit sind, werden keine Transaktionen mit den Anbietern guter Autos zustande kommen, d.h. Anbieter höherer Qualität ziehen sich aus dem Markt zurück und es werden nur Gebrauchtwagen unterdurchschnittlicher Qualität angeboten.[…]“

 

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Abbildung 1: Folgen der Informationsasymmetrie

Asymmetrische Information kann das Funktionieren von Märkten und die Streuung von Risiken erheblich beeinträchtigen. Was zu einem Marktversagen führen kann.

 

Marktversagen

„[..]Marktversagen ist ein wirtschaftswissenschaftliches Konzept für Situationen, in denen die Koordination über den Markt nicht zu einer optimalen Allokation der Ressourcen im Sinne der Wohlfahrtsökonomik führt. Dieses auf neoklassischen Grundlagen beruhende Konzept wurde 1958 von Francis Bator explizit benennend ausgearbeitet. […]“

„Als zentrale Ursachen von Marktversagen gelten Informationsasymmetrien (Beispiel: adverse Selektion auf dem Markt für Gebrauchtwagen), Externalitäten (Auswirkungen von Produktions- und Konsumentscheidungen, die der Markt nicht direkt widerspiegelt, Beispiel: Umweltschäden[3]), natürliche Monopole sowie öffentliche Güter.“

Marktversagen kann verursacht werden durch

  • Öffentliche Güter (Trittbrettfahrerproblem)
  • Natürliche Monopole (Markteintrittspreise zu hoch)
  • Informationsasymmetrien

 

Informationsasymmetrien können folglich ein Marktversagen hervorrufen, und spielen eine große Rolle in der Auswahl von Produkten. Eine weitere Folge von Informationsasymmetrien vor allem am Beispiel des Gebrauchtwagenmarktes ist die Adverse Selektion.

 

Adverse Selektion

Adverse Selektion bedeutet, dass in einem Gütermarkt mit ungleichmäßiger Informationsverteilung vornehmlich qualitativ schlechtere Güter getauscht werden. Adverse kommt aus dem Englischen und hat unter anderem die Bedeutung negativ, ungünstig, nachteilig. Selektion die Bedeutung Auswahl, Auslese.

„[…]adverse Selektion, Antiselektion, Negativauslese. 1. Begriff:  Adverse Selection bezeichnet eine Ausprägung von Marktversagen, welche aus der Informationsasymmetrie zwischen Vertragspartnern (Käufern und Verkäufern) vor Vertragsabschluss resultiert (Hidden Characteristics).“

Im Modell von Akerlof wird am Beispiel vom Gebrauchtwagenmarkt aufgezeigt, wie sich unvollständige Informationen der Nachfrager auswirken. Da der Nachfrager die Anbieter von  gut erhaltenen und schlechten Gebrauchtwagen nicht  unterscheiden kann, geht er von einer durchschnittlichen Qualität der Gebrauchtwagen aus. Umgekehrt kennt allerdings jeder Anbieter die Qualität seines Gebrauchtwagens und setzt den höheren Preis an, aufgrund ihrer Opportunitätskosten (Nutzeinbußen) gegenüber Anbieter von schlechten Gebrauchtwagen. Da die Anbieter schlechter Gebrauchtwagen aber über die Unwissenheit der Nachfrager Bescheid wissen, ist der Anreiz da, vorzugeben ebenfalls gute Gebrauchtwagen anzubieten und den Preis guter Gebrauchtwagen zu fordern. Da dieser Preis vermutlich über dem Preis liegen wird, den ein Nachfrager bereit ist für einen Gebrauchtwagen durchschnittlicher Qualität zu bezahlen, wird keine Transaktion mit einem Anbieter guter Qualität zustande kommen, da dieser sich aus dem Markt zurückziehen wird, und den Markt dem Anbieter schlechter Gebrauchtwagen überlassen. Wäre der Nachfrager allerdings über die Qualität der Gebrauchtwagen vollständig informiert, würden Gebrauchtwagen jeder Qualität angeboten, und preise entsprechend der Qualität erzielen.

Auf Versicherungsmärkten entsteht dieses Problem als Folge der Informationsasymmetrie zwischen Anbietern und Nachfragern von Versicherungen. Die Anbieter haben üblicherweise einen Informationsnachteil hinsichtlich wichtiger Merkmale der Nachfrager, welche die Eintrittswahrscheinlichkeiten von Versicherungsfällen betreffen.
Adverse Selektion stellt eine mögliche Ursache für Marktversagen auf Arbeitsmärkten dar, bspw. als Folge der Informationsasymmetrie zwischen Arbeitgeber und Bewerber hinsichtlich der Qualifikation von Bewerbern.

 

Quellenverzeichnis

URL: https://de.wikipedia.org/wiki/The_Market_for_Lemons

URL: http://financial-dictionary.thefreedictionary.com/Lemons+problem

URL: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/informationsasymmetrie.html

URL: http://webdoc.sub.gwdg.de/ebook/serien/lm/arbeitsberichte_wi2/2004_30.pdf

URL: http://webdoc.sub.gwdg.de/ebook/serien/lm/arbeitsberichte_wi2/2004_30.pdf

URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Marktversagen

URL: http://www.freitum.de/2014/04/marktversagen-market-for-lemons.html

URL: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/adverse-selection.html

Bilder der Definition: 
Anwendungsbeispiele: 

Anwendungsbeispiel I

Internet exchances for used goods: An empirical analysis of trade patterns and adverse selection

Das Paper „Internet exchances for used goods: An empirical analysis of trade patterns and adverse selection“ vom Autor Anindya Ghose (University of New York) wurde Juni 2009 im Management Information Systems Quarterly publiziert. Es betrachtet den Gebrauchtwarenhandel im Internet mit Hilfe einer empirischen Studie, wo er Handelsmuster und Adverse Selektion untersuchte. Diese Negativauslese (Adverse Selektion) ist ein Prozess, der in Märkten aufgrund von Informationsasymmetrie auftreten kann.

Betrachtet wurde ein fünfmonatiger Datensatz aus Amazon (Warehouse Deals) mit Beachtung der Unsicherheiten auf der Produktebene und Verkäuferebene. Dabei wurden nur Produkte aus den Bereichen Laptop, PDAs, Digitalkameras und Musikplayer hinzugezogen, wobei darauf geachtet wurde, dass jede Kategorie aus homogenen Produkten besteht, d.h. gleiche Eigenschaften und Markenruf als Neuware. Weil jedoch nur Gebrauchtware für diese Studie berücksichtigt werden, sind die Waren alle heterogen aufgrund der Beschaffenheit und der Verkäuferreputation.

Für die Studie stellt Ghose folgende Hypothesen auf:

  • H1 (Sale Time and Product Uncertainty): All else equal, higher quality goods take a longer time to sell than do lower quality goods in a used-good market.
  • H2a (Sale Time and Seller Uncertainty): All else equal, sellers with a lower reputation score will take less time to sell compared to sellers with a higher reputation score in a used-good market.
  • H2b (Sale Time and Seller Uncertainty): All else equal, sellers with a higher proportion of positive(negative) feedback postings will take more (less) time to sell compared to sellers with a lower proportion of positive (negative) feedback in a used-good market.
  • H3a (Price Decline and Product Reliability): All else equal, in the presence of adverse selection, an increase in unreliability is associated with an increase in price decline of the product.
  • H3b (Price Decline, Trade Volume, and Product Reliability): All else equal, in the presence of adverse selection, there is an inverse relationship between price decline and volume of trade for more unreliable products.

Für die Analyse wurden Variablen (vgl. Abb.1) betrachtet, die aus einem öffentlichen Datensatz aus den Produktlisten von Amazon Warehouse Deals kompiliert wurden.

Abbildung 1: Beschreibung der Variablen aus dem Amazon Datensatz

Auf der Grundlage verschiedener empirischer Tests zeigt das Papier, dass eine Negativauslese in Online-Gebrauchtmärkten weiterhin besteht. Zunächst zeigt sich, dass die Hypothese H1 signifikant ist, denn Waren mit höherer Qualität brauchen eine längere Zeit, um verkauft zu werden als qualitativ minderwertige Waren. Zudem gilt dieses Ergebnis auch, wenn die Beziehung zwischen Verkäuferreputation und Verkaufszeit untersucht wird (H2a und H2b werden bestätigt). Als dritter Punkt zeigt sich, dass Preisrückgänge für unzuverlässigere Produkte größer sind (H3a), und dass Produkte mit einer höheren innerlichen Unzuverlässigkeit eine negative Beziehung zwischen dem Preisrückgang und dem Volumen des Gebrauchtwarenhandels aufweisen.

Somit deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass die Theorie der Lemon Markets (spezifisches Problem in der Informationsasymmetrie) zwischen Käufern und Verkäufern, trotz der Anwesenheit von Reputationsfeedback und Produktzustandsinformationen, aufgrund von produktbasierten und verkäuferbasierten Informationsunsicherheiten weiterhin in Internet Gebrauchtwarenhandel besteht.

 

Anwendungsbeispiel II

Understanding and mitigating uncertainty in online exchange relationships: a principal-agent perspective

Die Autoren Pavlou, Liang und Xue veröffentlichten im März 2007 ihre Untersuchung im MIS Quarterly. Dabei betrachten sie die Käufer-Verkäufer Beziehung im Onlinekauf in der Prinzipal-Agenten Perspektive, um ein besseres Verständnis bezüglich der Unsicherheiten zu bekommen. Dazu erweiterten Sie die Prinzipal-Agenten Theorie (PAT) mit der wahrgenommenen Informationsasymmetrie: Ängste vor Opportunismus des Verkäufers, Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes und der Informationssicherheit, die aus den Agentenproblemen der adversen Selektion und der moralischen Gefahr gezogen wurden. Um die Unsicherheiten klein zu halten, wurden vier Minderungsfaktoren genannt: Vertrauen, Website-Informativität, Produktdiagnose und die soziale Präsenz. Diese sollen durch Einsatz von Signalen und Anreizen (Incentives) unterstützt werden. Durch die Anwendung von PAT gäbe es zwei Arten von Verkäufern: qualitativ hohe Verkäufer (cherries) und Verkäufer mit wenig Qualität (lemons).

Diese empirische Studie wurde mit 521 Verbrauchern für zwei Produkte (verschreibungspflichtige Arzneimittel und Bücher) getätigt, die sich zudem von der Kaufbeteiligung unterscheiden. Außerdem wurde zwischen einer bestimmten Webseite (Bücher) und einer Gruppe von Webseiten unterschieden (verschreibungspflichtige Arzneimittel). Die gesammelten Statistiken wurden mit Hilfe des partial least square (PLS) analysiert.

Für das Untersuchungsmodell wurden 19 Hypothesen von Pavlou et al. formuliert, die in 8 Gruppen unterteilt sind (vgl. Abb.2).

Abbildung 2: Untersuchungsmodell nach Pavlou et al.

Mit der PAT-Sicht ist es den Autoren gelungen, die Beziehung zwischen Käufer und Verkäufer im Onlinehandel zu verstehen. Diese Studie hat mehrere wichtige Ergebnisse hervorgebracht, die in den verschiedenen Studien mit zwei unterschiedlichen Produkten (Bücher und verschreibungspflichtige Medikamente) und zwei verschiedene Zielen (einzelne Website und Gruppe von Websites) validiert wurden. Die Ergebnisse bestätigen die signifikant negative Auswirkung der wahrgenommenen Unsicherheit auf Kaufabsichten und bestätigen somit die Hypothese, dass die Existenz von Unsicherheitswahrnehmungen ein großes Hindernis für die Online-Austauschbeziehung darstellt. Die Auswirkung der wahrgenommenen Unsicherheit auf Kaufabsichten durch Kaufbeteiligung werden außerdem gemildert, obwohl die potenziell zerstörerischen Auswirkungen der wahrgenommenen Unsicherheiten für Käufe betont werden, die für Verbraucher von Bedeutung sind. Fernerhin deuten die Ergebnisse auf eine hohe Bedeutung der wahrgenommenen Unsicherheiten (perceived information asymmetry, fears of seller opportunism, information privacy concerns, und information security concerns) in Online-Umgebungen. Nur die Ergebnisse für die Hypothesen H6d („Website informativeness mitigates a buyer’s information security concerns“) und H7a („Product diagnosticity mitigates a buyer’s perceived information asymmetry“) waren nicht signifikant genug und wurden daher nicht bestätigt. Durch Einflussfaktoren (trust, website informativeness, product diagnosticity, und social presence) können zusätzlich Unsicherheiten vermindert werden, die durch Signale und Anreize aufgebaut werden können.

Verwendete Paper

Ghose, Anindya (2009): Internet exchances for used goods: An empirical analysis of trade patterns and adverse selection

URL: http://www.stern.nyu.edu/networks/05-19_Ghose_Internet_Exchanges_for_Used_Goods.pdf

 

Pavlou, Paul A., Liang, Huigang und Xue, Yajiong (2007):Understanding and mitigating uncertainty in online exchange relationships: a principal-agent perspective. URL: http://mail.tku.edu.tw/myday/teaching/992/SEC/S/992SEC_T5_Paper_20100415_UNDERSTANDING%20AND%20MITIGATING%20UNCERTAINTY%20IN%20ONLINE%20EXCHANGE%20RELATIONSHIPS.pdf

 

Variante: 

Um die Problematik von Informationsasymmetrie zu beschreiben existieren verschiedene Varianten
zur Beschreibung von Marktversagen. Die Theorie von Akerlof “Theory of the lemon markets”
beschreibt das Ungleichgewicht der Informationswerte zwischen dem Verkäufer und Käufer in einem
Markt. Durch diese Asymmetrie hat der Käufer eine nachteilige Situation, da er nicht zwischen
hochwertigen und minderwertigen Produkten unterscheiden kann. Somit muss Der Käufer sich auf die
Beratung durch den Verkäufer verlassen, welche über die wesentlichen Information zur Qualität der
Produkte verfügt. Verkäufer kann dem Käufer je nach seinem Vorteil über bestimmte Merkmale des
Produktes informieren. Insgesamt führt diese Situation zu einer Verzerrung innerhalb eines Marktes.

David D. Friedmann greift in seinem Buch “Price Theory” diese Theorie kritisch auf und betrachtet
diese aus einem neuen Blickwinkel. In diesem Zusammenhang wird ebenfalls die “Theory of the
lemon markets” beschrieben und auf das Ungleichgewicht der Informationen im
Gebrauchtwagenhandel eingegangen. Dabei verfügt der Käufer nicht über die Möglichkeit über die
Qualität eines Autos zu entscheiden und der Käufer kann ebenfalls die Qualität nicht unter Beweis
stellen. Somit ergibt sich die folgende Problematik, dass nur eine Anreizstruktur zum Verkauf von
minderwertigen Wagen (“lemons”) entsteht. Zusätzlich nimmt die monetäre Bereitschaft des Käufers
beim Gebrauchtwagenkauf ab. Dies führt insgesamt zu einer Abwärtsspirale mit qualitative
minderwertigen Produkten mit niedrigem Verkaufspreis. In diesem Zusammenhang wird nicht auf die
zusätzliche Informationsbeschaffung seitens des Käufers eingegangen.

Im Gegensatz dazu wird in der Principal Agent Theorie nicht nur die Informationsasymmetrie
zwischen Agent und Principal betrachtet. Sondern bei dieser Variante von asymmetrischer
Informationsverteilung besteht die Möglichkeit zusätzliche Informationen, Zertifikate oder Garantien
der Qualität des Produktes ein größeres Gleichgewicht zwischen dem Informationsstand der beiden
Parteien herzustellen. Diese Option wird in der Principal Agent Theorie als “Signaling” definiert.
Mithilfe solcher Maßnahmen kann die Qualität des Produktes gegenüber des Kunden garantiert
werden. Für den Käufer besteht durch die Methode “Screening” eine bessere Möglichkeit seine
Informationslage bezüglich des Produktes zu verbessern. Ein Beispiel wäre ein Gutachten Dritter um
die Qualität des Produktes im Markt zu prüfen. Insgesamt entstehen durch diese beiden Methoden die
Möglichkeit die Qualität des Produktes zu gewährleisten und somit werden zusätzliche Kosten
verursacht. Die Informationsasymmetrie kann durch die Maßnahmen der Principal Agent Theorie
aufgebrochen werden. Im Gegensatz dazu werden bei der “Theory of the lemon markets” keine
Maßnahmen zur Verbesserung des Informationsungleichgewichtes betrachtet.

Die “Theory of the lemon markets” trifft nicht immer auf die Realität zu, wie bereits im Jahr 1966 von
Joseph E. Stiglitz herausgefunden wurde. Dies lässt sich durch die nicht vorhandenen Maßnahmen zur
Gewährleistung der Qualität seitens der Verkäufers oder Prüfung der Merkmale des Produktes durch
den Käufer oder Dritte darstellen. Jedoch bestehen für beide Akteure die Möglichkeiten auf
verschiedene Arten Informationen über die Qualität des Produktes einzuholen. In der heutigen Zeit
gibt es immer mehr Möglichkeiten sich vor dem Erwerb eines Produktes über die Qualität und
zusätzliche Informationen zu informieren. In manchen Fällen kann nur die Qualität von Verkäufer
oder Käufer über ein Gutachten oder Zertifikat sichergestellt oder geprüft werden. Dieser zusätzliche
Aufwand ist immer mit Mehrkosten oder Zeit verbunden, welche im tatsächlichen Gesamtpreis mit
einbezogen werden. Der Käufer möchte nicht nur das Produkt kaufen sonder auch die entsprechenden
Qualität und die Bereitschaft für einen höheren Gesamtpreis steigt insgesamt. In der heutigen Zeit
spielt die Qualität eines Produktes sogar eine immer bedeutendere Rolle und das Ungleichgewicht
zwischen den Marktakteuren wird immer geringer. Die betrachtet Maßnahmen zur Verbesserung der
Informationsasymmetrie werden in der Principal Agent Theorie betrachtet und diese verfolgt eine in
der Realität enthalten Vorgehensweise. Im Vergleich dazu wird diese Betrachtung in der “Theory of
the lemon markets” nicht berücksichtigt und umfasst nicht alle Möglichkeit der Realität.

Historie: 

Der Ursprung der Theorie „Theory of the lemon markets“ entstand am Beispiel des
Gebrauchtwagenhandels. Die ersten Untersuchungen wurden im Jahr 1970 von dem amerikanischen
Nationalökonom George A. Akerlof bezüglich der Auswirkungen von asymmetrischen Informationen
angestellt. In seinem Aufsatz „The Market for 'Lemons': Quality Uncertainty and the Market
Mechanism” wurde hauptsächlich die Produktqualität bezüglich der Informationsasymmetrie
betrachtet. George A. Akerlof ist seit 1966 Professor an der University of California in Berkeley und
lehrt das Fach Wirtschaftswissenschaften. Er untersuchte 1970 als Erster den Einfluss von
asymmetrischen Informationen auf das Verhalten eines Marktes. In seinem Aufsatz kam er zu dem
Schluss, dass ungleiche Verteilung von Informationen zwischen Käufer und Verkäufer, die Auswahl
von qualitativen Produkten sinken lässt.

Informationsasymmetrien sind Ursachen für das Marktversagen in der neoklassischen Theorie dies
bedeutet, dass Erzielen eines suboptimalen Ergebnis bezüglich der Interessen der Marktakteure.
Außerdem kann ein Marktversagen durch öffentliche Güter, Externalitäten und natürliche Monopole
ausgelöst werden. In dieser Ausarbeitung wird sich jedoch nur auf die Auswirkungen der
asymmetrischen Informationen bezogen. In diesem Zusammenhang wird von einer ungleichen
Verteilung von Informationen zwischen Marktakteuren gesprochen. Durch den
Informationsüberschuss verfügt ein Akteur über einen strategischen Vorsprung. Bei dem von Akerlof
beschriebenen Beispiel handelt es sich um die Problematik die entsteht, wenn der Käufer nur
unvollständige Informationen über das Produkt des Verkäufers verfügt. Im Bezug zum
Gebrauchtwagenhandel kann der Käufer nicht zwischen einem qualitativ hochwertigen und
minderwertigen Auto entscheiden. Der Käufer entscheidet sich meist für das günstigere Modell um
einen Fehlkauf zu verhindern. Die minderwertigen Autos werden als „lemons“ oder „Montagsauto“
bezeichnet und verlieren der „Theory of the lemon markets“ ihre Bezeichnung. Dieser Begriff wurde
somit von George A. Akerlof und der Gebrauchtwagenbranche geprägt.

Eine weitere prägende Persönlichkeit, die den Begriff Informationsasymmetrie mit ihrer Theorie prägt
war Joseph E. Stiglitz. Dieser veröffentlichte im Jahr 1966 das Buch “Whither Socialism” und
beschrieb den Fehlschlag des Sozialismus in Osteuropa. In diesem Werk wurde die dabei
ausschlaggebende Rolle der Informationsasymmetrie in den Märkten, sowie die Fehleinschätzung des
freien Marktes dargelegt. Der führende Forscher in der Mirkoökonomie setzte dabei einen
Schwerpunkt auf die Rolle der asymmetrischen Informationen in den Märkten, da das
Ungleichgewicht der Informationen das Marktversagen ohne weitere Eingriffe nicht verhindern
konnten. Stiglitz ist dabei der Meinung, dass das Verhalten der Menschen in Finanzmärkten Einfluss
auf einige Sachverhalten haben kann. Jedoch kann die Theorie der rationalen Erwartungen nicht
immer angewandt werden.

Der Professor Michael Spence beeinflusste im Jahr 1973 den Begriff der asymmetrischen
Informationen mit seiner sogenannten “Job Market Signaling”-Theorie. Michael Spence ist Professor
an der Havarad University für Volkswirtschaftslehre und lehrte bis 1999 an der Stanford University.
Im Oktober 2009 gründet das “Institut for New Economic Thinking” (INET) zur Entwicklung von
neuen volkswirtschaftlichen Denkansätzen. Seine Theorie betrachtet die Problematik der
Informationsasymmetrie auf dem Arbeitsmarkt. Dieser Ansatz beschreibt die Prinzipal Agent Theorie
auf die in den Variationen detaillierter eingegangen wird. Im Bereich des Arbeitsmarktes beschreibt
Spencer der Arbeitssuchende (Agent) spezielle Merkmale oder Informationen erwirbt. Die erworbenen
Fähigkeiten werden durch Zertifikate dem Arbeitgeber (Prinzipal) zugesendet. Durch die zur
Verfügung stehenden Informationen kann der Arbeitgeber besser auswählen, welcher Arbeitssuchende
seinen Bedürfnissen entspricht. Durch diese Betrachtung von Michael Spence wurde der Begriff der
Informationsasymmetrie auch geformt.

Im Jahr 2001 wurde an die drei prägenden Persönlichkeiten der “Theory of the lemon markets”,
George A. Akerlof, Michael Spence und Joseph E. Stiglitz, der Wirtschaftsnobelpreis für die Analyse
von asymmetrischen Informationen in Märkten verliehen. Im folgenden wird auf unterschiedlich
entstande Variationen von Theorien zu asymmetrischen Informationen eingegangen.