Soziale-kognitive Lerntheorie im Kontext mit Green IS und mögliche Verknüpfungen mit BPMN 2.0

Abbildung 1: Albert Bandura [4 (S.156)]
             Abbildung 1: Albert Bandura [4 (S.156)]

Definition nach Bandura

„Bei der Beobachtung anderer macht man sich eine Vorstellung davon, wie diese Verhaltensweisen ausgeführt werden. Später dient diese kodierte Information dann als Handlungsrichtlinie.“ [8 (S.80)]

Theoretischer Hintergrund

Sozial-kognitives Lernen hat mehrere Bezeichnungen: Modelllernen, Beobachtungslernen, Imitationslernen etc. all diese Begrifflichkeiten werden als Synonyme verwendet. [3]

Um den Kognitivismus näher zu erläutern ist es wichtig zu wissen, dass der Behaviorismus eine sozialpsychologische Forschungsrichtung ist, die in den USA entwickelt wurde. Sie befasst sich mit der Gesetzmäßigkeiten des Verhaltens, lässt aber die Prozesse, die nicht direkt sichtbar sind wie z.B. Kognitionen, Emotionen und Motive außer Acht. [5] Komplexe Verhaltensweisen konnten durch die klassische und operante Konditionierung demnach nicht zufriedenstellend erläutert werden. So wurde zwischen 1960 und 1970 verstärkt auf die inneren, den kognitiven Prozessen Wert gelegt (= Kognitive Wende). [5] Pionier in dieser Forschungsrichtung war der kanadische Psychologe Albert Bandura 1979 mit seiner Sozial-kognitive Lerntheorie. Albert Bandura geht davon aus, „dass sowohl Merkmale der Person als auch Umweltfaktoren in reziproker Zusammenwirkung das Verhalten des Individuums bestimmen.“ [3 (S. 163)] Maßgebliche Merkmale der Personen sind die kognitiven Faktoren, wie Wahrnehmung, Erwartungen, Aufmerksamkeit, Überzeugungen, Selbstbeobachtung und Intelligenz. Der große Unterschied zum Behaviorismus liegt in den folgenden Grundannahmen:

„(1) Die Umwelt kann nicht nur direkt, sondern auch vermittelt über die Kognitionen der Person (Art der Wahrnehmung und Interpretation der Umwelt)ihr Verhalten bestimmen.

(2) Die Person wird nicht nur durch die Umwelt geprägt, sondern gestaltet umgekehrt auch die Umwelt.

(3) Lernen kann nicht nur in beobachtbaren Verhaltensweisen seinen Niederschlag finden, sondern auch in der Veränderung der Kognitionen oder kognitiven Repräsentationen der Person.“ [3 (S. 163)]

Dennoch wurde nicht an der Gültigkeit der Lernprinzipien der behavioristischen Modelle  gezweifelt. „Sie haben nichts von ihrer Erklärungskraft eingebüßt.“[3, S. 163] Es hat eine Verschiebung der wissenschaftlichen Interessen stattgefunden. [3]

Die zentrale Aussage der Sozial-kognitiven Lerntheorie ist, dass die Faktoren Umwelt, Person und Verhalten wechselseitig das menschliche Verhalten beeinflussen. [3]

Laut Bandura (1971) können beim Modelllernen drei verschiedene Lerneffekte eintreten:

1. Es kann eine gänzlich neue Verhaltensweise erlernt werden.

2. Bestehende Verhaltensweisen können durch Hemmung und Enthemmung verändert werden.

Beispiel: Hemmung: Wenn ein Modell für ein Verhalten bestraft wird, tritt das Verhalten beim Beobachterseltener auf. Ein Schüler schreibt in einer Klassenarbeit bei seinem Nachbar ab. Der Schüler erhält die Note 6. Die Beobachter in der Klasse (die anderen Schüler) zeigen das Verhalten seltener. Enthemmung: Der Beobachter nimmt sich ein Beispiel am Modell. Ein Kind hat Angst im Dunkeln einzuschlafen. Wenn es aber sieht, dass die Eltern und Geschwister im Dunkeln einschlafen (mehrfach), kann es dazu führen, dass die Angst gemindert wird und das erlernte Verhalten verändert wird. Um ein erlerntes Verhalten zu verändern, reicht eine einmalige Beobachtung oftmals nicht aus. Es ist eine Vielzahl an  Beobachtungen notwendig.

3.Bestehendes Verhalten kann gelöscht und somit vergessen werden. [8] [3]

Der Lernprozess:

In Anlehnung an: [2 (S. 249)]
Abbilung 2: Lernprozess der Sozial-kognitiven Lerntheorie in Anlehnung an: [2 (S. 249)] 

Der Lernprozess nach A. Bandura (1971) beinhaltet zwei Phasen, die in jeweils zwei weitere Prozesse untergliedert werden.

       1. Akquisition

                1.1 Aufmerksamkeitsprozess

                1.2 Gedächtnisprozess

        2. Performanz

                2.1 Reproduktionsprozess

                2.2 Motivationsprozess

Um ein Verhalten zu erlernen, führt der Beobachter alle Phasen aus. In den ersten beiden Phasen findet die Akquisition statt. Das bedeutete der Beobachter eignet sich das Verhalten des Modells an. Die Aufmerksamkeits- und Gedächtnisprozesse sind  für die innere Repräsentation des Verhaltens relevant,  welches beobachtet wurde. Aus dem Grund, dass die Phasen ineinander übergehen, muss die vorherige Phase nicht gänzlich abgeschlossen sein, damit das Verhalten ausgeführt werden kann. Die letzten beiden Prozesse bilden die Performanz, bei der der Beobachter das beobachtete Verhalten ausführt. Somit bestimmen die Reproduktions- und Motivationsprozesse die Handlungsfähigkeit. Rückschritte sind während der Phasen möglich. Wenn beispielsweise Schemata nicht korrekt kodiert wurden, kann der Beobachter von dem Reproduktionsprozess zum Behaltensprozess zurückkehren. Im Folgenden wird auf die vier Phasen spezifisch eingegangen. [2] [5] [8]

1.    Aufmerksamkeitsprozess

Zu Beginn ist es wichtig, dass der Beobachter dem Modell die Aufmerksamkeit schenkt und den Ablauf bewusst wahrnimmt. [5] Das Modell ist „eine von einem Menschen vollzogene Handlung, die für den Beobachter ein Muster für die richtige Ausführung darstellt.“ [8 (S. 80)] Modelle sind Personen aus dem sozialen Umfeld oder bekannte Personen aus den Medien. Diese Modelle haben meist besondere Merkmale, wie zum Beispiel Macht, Prestige und Kompetenz aber auch ein positives Beziehungsverhältnis zum Beobachter oder das Geschlecht. All diese Merkmale können dazu führen, dass eine Person als Modell auserwählt wird.[2] Gefördert wird die Aufmerksamkeitszuwendung auch, wenn der Beobachter bestimmte Charakteristika besitzt, wie „emotionale Erregung und Engagement, Gefühl der Abhängigkeit, Unklarheit und Zweifel über angemessene Verhaltensformen“. [2 (S. 249)]

Beispiel: Der kleine Max beobachtet seinen Vater beim Rasieren. Modell = Vater; Beobachter = kleiner Max

  • Vater verteilt den Rasierschaum im Gesicht.  
  • Er lässt den Wasserhahn laufen.
  • Der Vater setzt den Rasierer von oben nach unten an.

2.    Gedächtnisprozess

In dieser Phase findet die kognitive Verarbeitung der aufgenommenen Modellreize statt. Laut Bandura werden „die Modellierungsreize in leicht erinnerliche Schemata umgeformt, klassifiziert und organisiert.“ [2 (S. 250 f.)] Sind Schemata bereits vorhanden, können die Modellierungsreize abgeändert und in vorhandene kognitive Strukturen integriert werden. Der Vorgang wird Assimilation genannt. Sofern noch keinerlei Schemata vorhanden sind, wird ein neues Schema für das beobachtete Verhalten angelegt. Dieser Prozess wird Akkommodation genannt. Der Behaltensprozess wird auch als Speicherung bezeichnet, da dass beobachtete Verhalten im Gedächtnis visuell oder verbal kodiert und abgespeichert wird. [2] In dieser Phase finden symbolische Wiederholungen statt. [8]

  • Bei Max findet eine Akkommodation statt. Es entwickeln sich neue Schemata.  

3. Reproduktionsprozess

Die dritte Phase ist die Reproduktionsphase. Diese „umfasst gedankliches Probehandeln oder den Abgleich zwischen dem Verhalten des Modells und dem eigenen beabsichtigten Verhalten“. [5 (S. 162)] Das beobachtete Verhalten wird nun vom Beobachter umgesetzt. Das funktioniert nicht zwingend auf Anhieb. Die Verhaltensausführung wird kontinuierlich mit dem Abbild des Modells verglichen und so oft ausgeführt bis diese übereinstimmen. [8] Dafür benötigt der Beobachter „die Fähigkeit des genauen Beobachtens und Selbstbeobachtens.“ [8 (S. 83)]

  • Max rasiert sich. Zu Beginn muss er darauf achten, dass er sich nicht schneidet und dass er keine Barthaare vergisst.
  • Max wiederholt den Vorgang so lange bis er sich in einem bestimmten Tempo problemlos rasieren kann ohne sich zu schneiden oder Haare zu vergessen.

4. Motivationsprozess

Der letzte Punkt ist der Motivationsprozess. Hier kommt es darauf an, “welche Konsequenzen die Modellperson für ihr Verhalten erfahren hat: Wurde sie verstärkt oder bestraft?“ [5 (S.162)] Bandura sieht die Verstärkungen als wichtig an, da dadurch die Aufmerksamkeitsprozesse sowie die zentralen Integrationsprozesse gefördert werden. Um ein Verhalten, das beobachtet und gespeichert wurde, tatsächlich auszuführen, muss ein Anreiz geboten werden. Die Verhaltenssteuerung wird speziell durch zwei Komponenten beeinflusst. Zum einen durch die Wirksamkeitsüberzeugung, bei der der Beobachter nicht glaubt, dass er die Verhaltensweisen adäquat ausführen kann und diese aus diesem Grund nicht ausführt. Zum anderen die Ergebniserwartungen, bei denen sich der Beobachter überlegt, welche Konsequenzen sein Verhalten haben wird. „Je größer der erwartete Erfolg eines Verhaltens ist, desto mehr Engagement wird bei diesem Verhalten gezeigt.“ [8 (S. 84)] Dennoch ist zu erwähnen, dass Bandura diese als förderlich, aber nicht als notwendig ansieht. [2]

Gibt es für Max Ärger oder Lob? Die Mama erwischt Max beim Rasieren.

  • Wäre Max 4 Jahre alt, bekäme er Ärger, da er sich verletzten könnte.
  • Wäre Max 17, würde er gelob werden, da er nach dem Rasieren gepflegter aussehen würde.

 

Autoren

In den Literaturen wird das Lernen am Modell oder das Beobachtungslernen zu den kognitiven Lerntheorie. Die Sozial-kognitive Theorie betrachtet sowohl den Kognitivismus als auch den Behaviorismus.  Zu diesen Kernpunkten war der Pionier unsere Theorie nicht der einzige, der sich da Gedanken gemacht hatte. Die Arbeit von vielen anderen Autoren haben in den kognitiven Methoden eine Menge von theoretischen Annahmen, die zu anderen Theorien geführt haben oder als Grundlagenforschung andere Theorien benutzt worden. Hier wollen wir genau einer dieser zentralen Arbeit vorstellen, die die Denkweise der Kognitivismus entwickelt hat.

Eine der berühmten Arbeit in diesen Methoden ist die von Edward Chace Tolman (1886 - 1959). Er ist der Autor der Kognitiv-behavioristische Lerntheorie, die davon ausgeht, dass das gezeigte Verhalten von Menschen keine reflexartige Reaktion ist, sondern Handlungen, die sowohl von äußeren und inneren Rahmenbedingungen variieren können. Nach Tolman definiert sich das Verhalten nach der Zielrichtung, Absichtsvollheit, Akkommodationsfähigkeiten, Erwartungen und Lernerfahrungen. Es wird auf eine kognitive Repräsentation eines Ziels gesetzt, welche Erwartungen und Handlungen im frage nehmen wird. Die Motivation zu der Performanz wird dann aus der Erwartung resultieren. Die Resultate der Arbeit von Tolman hat zu einer Erweiterung in dem Kognitivismus geführt. Dadurch stand er fest, dass menschliches Verhalten nicht nur durch Reiz-Reaktion Zusammenhänge zu erklären sind. [9]

 

Anwendungsfelder
Die Sozial-kognitive Theorie wird in verschiedenen Bereichen angewandt. Besonders in der Erziehung, der Psychotherapie und für die Interaktionsstrukturierung im Unterricht, findet diese Anwendung. 
In der Psychotherapie wird die Sozial-kognitive Lerntheorie als Verhaltenstherapie eingesetzt. Diese hilft dabei, Personen mit sozialen Ängsten wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Die sozialen Ängste eines Patienten werden als Handlungsregulationsproblem bezeichnet und durch die Kombination kognitiv-verhaltenstherapeutischer Ansätze  mit ressourcenorientierten Elementen gelöst. [4] 
Der theoretische Modellansatz ist, für den Unterricht bzw. für das Lernen dann besonders interessant, wenn Interaktionsstrukturen betrachtet werden. Beispielweise, wie ein Mensch Einfluss auf andere, beim Erklären nimmt oder wie Lernen gefördert oder blockiert werden kann. [11]
In der Erziehung hat das Kind die Rolle des Beobachters und der Erzieher ist das Modell. [1]

Posterdatei

Kollaborationsdiagramm im Blickfeld von Green IS

Im folgenden Aufgabenteil wird die Sozial-kognitive Lerntheorie mit BPMN 2.0 Kollaborationsdiagrammen unter Berücksichtigung nachhaltiger Aspekte verknüpft. Hierzu wird zunächst Green IS definiert und die möglichen Effekte auf den Modellierungsprozess, die  Modellierungssprache sowie die Anwendung der Modellierungstechnik in einem Anforderungskatalog dargestellt.

Was ist Green IS? Green IS vs Green IT?

Green IS ist ein Bereich in der Wirtschaftsinformatikforschung, der sich mit der Gestaltung und Implementierung von Informationssystemen für nachhaltige Geschäftsprozesse beschäftigt. Nachhaltige Prozesse haben soziale, ökologische und ökonomische Effekte auf die Umwelt. Diese drei Aspekte der Nachhaltigkeit reagieren in stetiger Wechselwirkung miteinander und können sich gegenseitig limitieren.

Green IT fokussiert sich hauptsächlich auf die Energieeffizienz sowie die Geräteauslastung. Es wird der Energieverbrauch und mögliche Verschwendung durch Veränderungen an der Soft- und Hardware direkt und positiv in Bezug auf die Aspekte der Nachhaltigkeit beeinflusst. Green IS beschäftigt sich mit der Entwicklung und Nutzung von Informationssystemen, die ökologische und nachhaltige Initiativen unterstützen oder ermöglichen.


 

Anforderungskatalog:

  1. Welche Prozesse sind für die Kombination mit der SCT geeignet?

    • Beschränkung auf nachhaltige Prozesse bei denen die Umwelt, die Menschen und das Unternehmen profitieren und an zukünftige Generationen gedacht wird.

    • Der Prozess muss reproduzierbar, d.h. Eigenständig wiederholbar, sein. Vor dem Hintergrund der Sozial-kognitiven Lerntheorie bieten sich besonders Prozesse an, die man beliebig oft wiederholen kann. Durch mehrmaliges Wiederholen werden sie perfektioniert und man entwickelt eine Routine.

    • Komplexe Prozesse vermeiden! Die SCT ist auf einfach implementierbare Prozesse besser anwendbar. Der Beobachter lernt den Prozess schneller (kürzere Aneignungsphase) und kann das Modell einfacher optimal reproduzieren. (Reproduktionsphase)

    • Visuelle Prozesse verwenden! Modelllernen erfordert, die volle Aufmerksamkeit des Beobachters. Daher sollten die Prozesse aufmerksam beobachtbar sein. Dies hilft bei der Bildung von Assoziationen (Metapher, Symbolen), um das Modell zu verinnerlichen.

  1. Welche Auswirkungen hat die SCT auf die Syntax und Komplexität von BPMN 2.0?

    • Verwendung geometrischen Formen für die unterschiedlichen Phasen des Modells. Je nach Phase des Lernprozesses werden die Aktivitäten, Gateways und /oder Sequenzflüsse anders dargestellt.

      Beispiel: alle Aufmerksamkeitsprozesse als Dreiecke oder Gedächtnisprozessen als Trapez darstellen.

    • Erweiterung durch eigene Symbolik:

      • !,!!,!!! Anzahl von Ausrufezeichen zur Kennzeichnung der Komplexität des Modells

      • ∞ Unendlichkeits zeichen für die beliebig e Reproduktion des Gelernten

    • Komplexität einschränken, da einfache Prozesse für die Theorie besser geeignet sind (s. 3.1)

      • max. Aktivitäten pro Phase bestimmen

      • Anzahl von Tasks eingrenzen

      • Hinzufügen von neuen Symbolen, um die Aufmersamkeit bewusst zu lenken und den Lernprozess zu verbessern bzw. zu steuern

    • Richtlinien für die Anordnung von Prozesselementen:

      • hierarchische Anordnung wie bei den Grundsätzen ordnungsgemäßer Modellierung.

      • Im Kollaborationsdiagramm steht das Modell immer über der Ausführung des Gelernten

      • Beispiel: Pool Unternehmen mit den 2 Lanes Modell und Ausführung des Gelernten. Dann ist das Modell innerhalb des Pool immer oben anzuordnen.

  1. Welche Personen sollen den Prozess modellieren ? Welchen Personen sollten am Modellierungsprozess beteiligt werden?

    • Der Modellierer sollte eine Vorbildsfunktion einnehmen. Für das Erlernen des Modells ist es förderlich, wenn der Modellierer eine Identifikationsfigur ist und eine soziale Macht gegenüber dem Lernenden besitzt, d.h. Ihn fördern oder bestrafen kann. Es sollte zu dem kein Externer sein. Es bietet sich an eine Person mit einer höheren Position (z.B. Abteilungsleiter) als Modellierer einzusetzen. Weitere förderliche Eigenschaften sind Expertenwissen, Reputation, Charisma und Berufserfahrung.

    • Der Modellierer muss Interessen, Vorstellungen und Ansichten nachhaltigen Arbeitens vorleben und von diesen auch überzeugt sein, d.h. sich vollständig mit dem Modell identifizieren.

Fazit

Die Sozial-Kognitive Theorie möchte im Kern den Lernprozess anhand der drei Schlüsselfaktoren: Umwelt, Mensch und das Verhalten, erläutern bzw. darstellen. Das Besondere an der Theorie ist, dass sie soziale Aspekte zwischen Modell und Lernenden berücksichtigt. Ausgehend von den zentralen Aussagen der sozial-kognitiven Lerntheorie und der Berücksichtigung der Nachhaltigkeitsaspekte, in Verbindung mit Green IS, wurde in diesem Beitrag ein Anforderungskatalog entwickelt. Dieser Anforderungskatalog beinhaltet Limitationen und Erweiterungen für BPMN 2.0 Kollaborationsdiagramme.

Abschließend werden nun die Vor- und Nachteile der möglichen Verknüpfung von der Sozial-kognitiven Theorie und BPMN 2.0 unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeitsaspekte von Green IS erläutert und ein Fazit gezogen.

Vorteile:

  • die Methode der SCT ist leicht nachvollziehbar und kombinierbar mit Green IS
  • Verbesserung individueller Performance durch erlernen von neuen Verhaltensweisen
  • Vielfalt an Bekräftigungsmöglichkeiten in der Motivationsphase
  • Berücksichtigt  soziale Komponenten zwischen Model, Beobachter und Umwelt

Nachteile:

  • unerwünschte Folgen durch die  Adaption von negativen Prozessen bzw. Modelle
  • keine Betrachtung der emotionalen Ebene des Beobachters
  • das Verhalten ist nicht immer durch die Umwelt beeinflussbar

Die Implementierung nachhaltiger Prozesse verstärkt langfristig das nachhaltige Bewusstsein der ausführenden Personen und somit auch ihr Verhalten. Zudem übernimmt die Vorbildfunktion eine zentrale Rolle in der Sozial-kognitiven Lerntheorie. Eigenschaften wie Charisma oder soziale Macht (fördern und bestrafen) können sich positiv auf den Lernprozess auswirken. Dazu ist es förderlich, wenn die Person nachhaltiges Arbeiten und denken vorlebt. Jedoch ist eine negative Beeinflussung durch Fehlverhalten des Modells möglich. Andererseits ist die Motivation ein kritischer Faktor und hat keinen messbaren Wert. Es ist von der Person individuell abhängig, ob das beobachtete Verhalten imitiert wird. Sollte die Person sich von dem Modell einen Vorteil oder Mehrwert versprechen, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass es reproduziert wird. Der gesamte Lernprozess des Modelllernens ist in BPMN 2.0 modellierbar. Mit den im Anforderungskatalog genannten Beispielen und Voraussetzungen ist eine Verknüpfung mit BPMN 2.0 Kollaborationsdiagrammen möglich. Die Unternehmen haben die Möglichkeit die Lerntheorie in dem operativen Geschäftsprozessen zu integrieren.

Referenzen

Bücher:

[1] Bodenmann, G., Perrez, M., Schär, M. (2011): Klassische Lerntheorien: Grundlagen und Anwendungen in Erziehung und Psychotherapie. Verlag Hans Huber.

[2] Edelmann, W. (1986): Lernpsychologie. Eine Einführung, 2. Auflage., München – Weinheim. Psychologie Verlags Union.

[3] Edelman, W. Wittmann, S. (2012): Lernpsychologie. 7. Auflage., Weinheim-Basel. Beltz Verlag.

[4] U. Willutzki, B. Neumann, H. Haas, C. Koban, D. Schulte, (2004): Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Hogrefe Verlag. S. 42-50

[5] Hannover, B.  Zander, L. Wolter, I. (2014): Entwicklung, Sozialisation und Lernen. 6. Auflage. In Pädagogische Psychologie. Weinheim.  Beltz Verlag. S. 139 – 166.

[6] Hermann, C.(2010): Ganzheitliche Life Cycle Management. Nachhaltigkeit und Lebenszyklusorientierung in Unternehmen. Berlin-Heidelberg. Springer Verlag.

[7] Melville, N.P. (2010): Information systems innovation for environmental sustainability. MIS Q. 34, 1 (March 2010), 1-21.

[8] Ruffo, E. (2010): Das Lernen angehender Lehrpersonen: eine empirische Untersuchung an der pädagogischen Hochschule Zürich. Internationaler Verlag der Wissenschaften Bern.

[9] Spence, K.W. (1950): Cognitive versus stimulus-response theories of learning. Editor: Holyoak. S. 159-172.

[10] Seidel, Krapp (Hrsg.) (2014): Pädagogische Psychologie. Weinheim. Beltz Verlag.

Internet:

[11] https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LERNEN/Modelllernen.shtml